Grundlegendes zum Projekt
16. März 2009
Es handelt sich hierbei um ein aus einem Team von fünf WissenschafterInnen bestehendes dreijähriges Forschungsprojekt im Rahmen des Stipendienprogramms der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (DOC-team).
Das Projekt untersucht ausgehend vom religiösen Motiv der Apokalypse auf möglichst umfassender theoretischer und methodischer geistes- bzw. kulturwissenschaftlicher Basis jene Darstellungsformen und die ihnen zugrunde liegenden diskursiven, sozialen und politischen Mechanismen, die Szenarien einer Krisen- und Endzeit entwarfen und entwerfen. Es werden vergangene und gegenwärtige Aneignungs- und Vermittlungsprozesse apokalyptischer Narrative eingehend analysiert und kohärent gegenübergestellt. Vorhaben ist, deren Abhängigkeit von zeitgenössischen Ordnungsmustern herauszuarbeiten.
Die Zielsetzungen lauten im Detail:
- den aktuellen Gebrauch des Begriffs Apokalypse sowohl im Alltag als auch in den (kultur)wissenschaftlichen Disziplinen auf seine epistemologischen und motivischen Wurzeln zurückzuführen und damit einhergehend seine historischen Bedeutungstransformationen in seinen spezifisch-charakteristischen und medial bedingten Ausdrucksformen darzustellen;
- die Herausbildung von Erzähltraditionen, der Verwendung, Transformation, Wiederaufnahme und Selektion bestimmter apokalyptischer Motive (Antichrist, Gog und Magog, Jüngstes Gericht, Hure von Babylon, Sternenfall) nachzugehen und damit gleichzeitig die (Selbst)Wahrnehmung und Positionierung einer Gesellschaft zu hinterfragen, die mit Krisen, Katastrophen und Untergängen konfrontiert wird; zu klären, inwieweit eine apokalyptische Erzählung die Wahrnehmung einer Gesellschaft beeinflusst, wie wiederum apokalyptische Motive Eingang in den gesellschaftlichen Diskurs finden;
- apokalyptische Narration im Kontext unterschiedlicher (historischer, heilsgeschichtlicher, wissenschaftlicher, politischer) Wahrheitsansprüche und Deutungsmonopole zu begreifen, somit die aus spezifischen Machtgefügen hervorgehenden Positionen und Gegenstandsbereiche herauszuarbeiten, die zu bestimmten Krisenzeiten in Erscheinung treten;
- eine Genealogie des religiösen Motivs Apokalypse in der europäischen Kultur zu entwerfen und historische Brüche und Wandel apokalyptischen Wahrnehmens, Denkens, Handelns und Herrschens zu lokalisieren.
Im Zentrum des gemeinsamen Vorhabens stehen fünf Dissertationen aus dem Bereich der Geschichts-, Medien-, Sprach- und Literaturwissenschaften, die jeweils grundlegende Aspekte in der Motivverwendung abdecken:
- Die Beschäftigung mit frühmittelalterlichen Quellen nimmt direkt Bezug auf biblisch-apokalyptische Texte und untersucht den Zusammenhang zwischen dem Motiv und abendländischen Zeit- und Identitätskonzepten.
- In der Beschäftigung mit prophetischen Texten und astronomisch-astrologischen Zeichen werden kryptologische Sprachmuster in Prophezeiungen und der Zusammenhang zwischen dem Motiv und abendländischen universalen Raumkonzepten untersucht.
- Die Beschäftigung mit frühneuzeitlichen Texten und Bildern thematisiert die konfessionsspezifische Anwendung des Motivs.
- Die Beschäftigung mit modernen Narrativen analysiert den zeitgenössischen Bedeutungsgehalt des Motivs in Literatur und Wissenschaft.
- Die Beschäftigung mit medialen Zäsuren veranschaulicht die generelle Medienabhängigkeit des Motivs.
Zur Organisation steht ein (internes) Wiki zur Verfügung.
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